Sonntag, 27. August 2017

Von Unwissenheit und Spontankäufen

Hallo meine Lieben :)

Mich beschäftigt seit einiger Zeit ein doch recht heikles Thema. Ich war mir auch zunächst nicht sicher, ob ich überhaupt darüber schreiben sollte, aber nun möchte ich doch einmal eure Meinung dazu hören.


Vor einiger Zeit kam ich mit einer Dame ins Gespräch, die doch sehr verzweifelt war mit ihrem Hund. Wie sie mir erzählte, ist ihre Hündin nun 6 Monate alt, also gerade in die Pubertät gekommen und höre überhaupt nicht auf sie. Dass die Hündin sie überhaupt nicht ernst nahm, konnte ich sehr gut sehen. Mir fiel auf, dass beide mit der Situation völlig überfordert waren.

Sie konnte sich gegenüber dem Hund nicht durchsetzen und der Hund irrte völlig verwirrt und ohne Führung durch die Gegend und zerrte die Dame nur so umher. Im Gespräch kam heraus, dass ihr Lebensgefährte die Hündin einfach angeschafft hatte. Hinzu kam das sie wirklich keinerlei Hundeerfahrung hatte. Natürlich ist so ein Welpe immer süß. Dass es sich jedoch um einen Husky-Dobermann-Mischling handelte, ließ er wohl am Anfang aus. Nun musste sich jedoch die Frau „kümmern“, wie sie mir erklärte. Sie wollte einen Maulkorb für die Hündin kaufen, damit diese, ich zitiere: „Nichts kaputt macht und nicht bellt“, wenn die Frau zur Arbeit geht.


Ich muss zugeben, das gesamte Gespräch mit ihr hat mich sehr geschockt und ich war sehr fassungslos. Ich habe ihr dann erklärt, dass es keine Garantie dafür gebe, dass ihr Hund nichts kaputt macht, wenn er einen Maulkorb trägt und ihn dieser auch nicht vom Bellen abhalten würde. Darauf fragte sie mich sehr entsetzt, wie ich das denn meinen würde. Ich erklärte ihr, dass sie der Hündin nicht das Maul zubinden könne und der Hund sowieso erst einmal an einen Maulkorb gewöhnen müsste. Ein Hundesitter oder Anti-Bell-Halsband wird wohl eher helfen. Verzweifelt meinte sie, dass sie nicht noch mehr Geld für diesen Hund ausgeben wolle.

Das ganze Gespräch war so surreal für mich, dass ich schon dachte ich würde träumen. Mir tat sowohl der Hund Leid, als auch die Frau. Sie erklärte mir noch, dass sie die Hündin auch nicht von der Leine lassen kann, weil sie sonst weglaufen würde. Man hätte ihr ja auch nicht erklärt, wie das geht.

Dieser Satz traf mich glaub ich am schwersten. Man hätte ihr nicht erklärt, wie das geht. Ich frage mich ernsthaft, wie blauäugig manche Menschen durchs Leben laufen können. Damit meine ich nicht nur die, die sich mal ebenso ein Tier anschaffen, weil es gerade niedlich ist. Sondern auch die, die ihre Tiere einfachso an Leute weitergeben. Aber viel mehr stört mich unsere Wegschau-Gesellschaft. Bei Problemen wird weggeschaut. Bloß nicht einmischen, es geht einen ja nichts an. Aber ist das wirklich so? Muss ein Problem denn immer erst eskalieren? Kann man nicht vorher fragen, ob man helfen kann? Meiner Meinung nach zählt die Ausrede nicht, wer Probleme hat kann sich ja Hilfe suchen. Manche trauen sich auch einfach nicht oder wissen es nicht besser. Wie bei der Dame mit der ungestümen Hündin.


Und jetzt zerlegt der Hund ihre Wohnung, weil er sichtlich nicht ausgelastet ist und mit der Gesamtsituation überhaupt nicht klar kommt. Welche Möglichkeiten bleiben dieser Frau, die körperlich und nervlich völlig am Ende ist? Abgeben. Das wollte sie am liebsten, sagte sie. Auf einen Bauernhof, denn da gehört dieser Hund ihrer Meinung nach hin. Aber ihr Lebensgefährte, so erzählte sie mir, wäre da anderer Ansicht. Er würde sie, so ihrer Aussage nach, verlassen, wenn sie den Hund weggeben würde. Hier türmt sich Problem auf Problem.

Nachdem ich ihr kurz die Hündin abnahm, konnte ich ihr zeigen, dass (mit ein bisschen Ruhe) der Hund sich auch setz, wenn man ihm das sagt. Sie ist also kein ganz hoffnungsloser Fall, so wie die Frau meinte. Ich konnte ihr nur raten in sich hineinzuhorchen, denn es liegt viel Arbeit vor ihr und ihrer Hündin. Arbeit, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet. Ich fragte sie gerade heraus,
ob es ihr das wert ist. Sie sagte mir, sie würde ihren Hund zwar lieben, aber die Arbeit wäre es ihr nicht wert und sie hätte schon genug Geld ausgegeben. Ich sagte ihr, sie sollte sich gut überlegen, ob es dann nicht für Alle das Beste wäre, getrennte Wege zu gehen.

Zum Abschied wünschte ich ihr noch alles Gute. Was nun aus den Beiden geworden ist, weiß ich leider nicht. Aber ihre Geschichte und besonders die Worte der Dame, beschäftigen mich noch sehr. Niemand hätte ihr erklärt, wie ein Hund „funktioniert“.

Ich werde das wohl nie ganz verstehen. Wenn Jacky „Probleme machen“ würde, würde ich immer mit ihm daran arbeiten. Aber Jacky war auch kein Spontankauf. Wir hatten lange überlegt, ob und was für ein Hund zu unserer Familie stoßen sollte. Denn das ist Jacky für uns. Familie. Jedoch sehe ich es immer wieder, dass Leute sich spontan ein Tier anschaffen. Sei es ein Hund, eine Katze oder ein Hamster. Im Zeitalter des Internets geht das meiner Meinung nach auch viel zu leicht (Stichwort: eBay Kleinanzeigen und Co). Stattdessen sollte man Internet als Informationsquelle nutzen, bevor man sich ein Tier anschafft.


Viele schaffen sich einfach ein Tier an, ohne groß nachzudenken. Jetzt aufzuschreien, dann müsse man diesen Leuten die Tiere wegnehmen, ist auch der falsche Weg. Damit ist weder Mensch noch Tier geholfen. Eine Sachliche Aufklärung, auch von Züchtern und Anbietern, ist da wohl der bessere Weg. Mit sachlich meine ich auch sachlich und nicht die eigene Meinung auf andere zu übertragen.

Wie ist eure Meinung dazu? Was hättet ihr der Dame geraten? Was haltet ihr von tierischen Spontankäufen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Bis zum nächsten Mal. Eure Fini

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